OOBT-016: #Road2Bolzano: Eine Radreise in Episoden. Tag1/Episoden 2&3: Hitze, Hunger, Slivo & zwei Lucky Lukes

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OOBT-016: Out of the Box-Touren – Beitrag 016

Wir liegen mittlerweile bei sieben Stunden Brutto-Fahrzeit. Zwei Pausen eingerechnet. Ebenso den unbekannten Schotterstraßenpass hinüber nach Solcava und zum Paulitschsattel und auch den Seebergsattel nach Slowenien hinein. Insgesamt stehen zu diesem Zeitpunkt rund 145 Kilometer in den Beinen. Alles schön und gut. Bis auf ein kleines, aber nicht ganz unwesentliches Detail: Wir sind noch immer nicht in Bled, wir hinken unserem Zeitplan weit hinterher.

Stattdessen sitzen wir in der Nähe von Kamnik in der Nachmittagshitze vor einem slowenischen Supermarkt mit angeschlossenem Café und müssen endlich etwas für die Energiespeicher tun. Bis Bled können wir nicht mehr warten. Der Magen knurrt, die Muskeln benötigen Zucker.

Plan und Wirklichkeit erweisen sich gerade als zwei verschiedenen Paar Schuhe. Apropos Schuhe: Die Fußsohlen brennen, als ob diese von 1000 Nadeln genagelt würden. Die Fahrt zieht sich. Gewitterwolken zeichnen sich genau dort ab, wo wir hin wollen. Das Hochgefühl vom Vormittag ist verflogen.

In Gedanken versunken und eher wortkarg sitzen wir da, als sich ein älterer Slowene an den kleinen Tisch neben uns setzt. Markantes Kennzeichen: große, rote vernarbte Nase. Und gesprächig. Alleine: Wir verstehen kein Wort. Die übrigen Gäste schmunzeln, als sie den Mann sehen, wie er uns immer wieder anspricht.

Als er endlich seine Worte mit einer eindeutigen Handbewegung untermalt, ist uns plötzlich klar, was er möchte. Einen Slivo. Den wir ihm prompt bestellen. Ein breites Lachen zieht sich über sein Gesicht, als der Wirt ihm diesen bringt. Der Wirt und auch die übrigen Gäste nehmen diese kleine Geste der beiden verschwitzten Radfahrer sehr wohlwollend zur Kenntnis. Sie lächeln und nicken uns zu. Eine gute Stimmung macht sich breit. Sofort. Auch bei uns.

Eine winzig kleine Begebenheit nur. Dennoch stellt diese eines der prägenden Erlebnisse unserer Fahrt dar. Und sie gab uns in diesem Moment mehr Energie für die Weiterfahrt nach Bled als die soeben konsumierten Espressos und das herrliche slowenische Weißbrot zusammen.

Tag 1/Episode 3: Zwei Lucky Lukes auf Drahteseln und eine nette Überraschung in Kranjska Gora

Bled war wie immer schön. Der See, die Urlauber, die Wärme und das gesamte Flair lassen ganz schnell Urlaubsgefühle aufkommen und entspannen. Von der Entspannung hatten wir dann sogar mehr als erhofft, denn gerade als wir nach unserer Pause am See weiter fahren wollen, bricht ein veritables Gewitter los. Somit verlängern wir die Pause und kommen anschließend und bedingt durch das Gewitter zu einem echten Highlight: Als wir so ca. um 18 Uhr wieder auf unsere Bikes steigen und über Jesenice nach Kranjska Gora aufbrechen, fahren wir gegen Westen und damit direkt in die Abendsonne. Der Himmel wie ausgewaschen, die Luft glasklar und frisch. Nach dem schwülen Klima tagsüber ein wunderbares Gefühl. Zwei Lucky Lukes auf ihren Drahteseln, die gegen Sonnenuntergang reiten. Schade, dass das niemand von hinten gefilmt hat.

Als wir letztendlich nach rund zehn Stunden Fahrzeit in den berühmten slowenischen Weltcuport einrollen, steuern wir zielstrebig auf das uns bereits bekannte Café des Bruders des ersten slowenischen Snowboard-Weltmeisters, Dejan Kosir zu, in dem wir schon im Herbst waren. Dieser kennt uns noch und vermittelt uns auf unsere Nachfrage hin sofort eine Frühstückspension. Zufälligerweise direkt angrenzend an sein Café…

Die Details für die Übernachtung sind mit der Vermieterin schnell ausgehandelt, als ich plötzlich eine Kurznachricht auf meinem Telefon wahrnehme: Sind in Kranjska Gora. Wo seid ihr? Die Rede ist von Petra Ulbing-Kaier und ihrem Mann Franz aus Arnfels, die beide ihre Zelte über das Fronleichnams-Wochenende in Kranjska Gora aufgeschlagen haben und von hier aus ihre Radtouren unternehmen.

Der verbleibende Abend war somit gerettet und führte nach der Dusche direkt in ein ausgiebiges gemeinsames Abendessen mit Weinbegleitung und Obstler-Abschluss über.

Das qualitative Tagesresümee:

So einfach ist Glück.
Radfahren, Müdigkeit, Freunde und ein gutes Essen.
Das alles in Sportbekleidung und ohne weitere Aufmachung.
Besser geht’s nicht. Echt nicht.
Das quantitative Tagesresümee:

230 Kilometer
3.610 Höhenmeter
10:13 Fahrzeit
Abschließend: Die Espressos on the road des ersten Tages. Denn: Eine Radreise wie diese lebt ganz besonders von den Espressos on the road. Sie liefern Energie und verstärken den Genuss. Aufgrund dieser bedeutenden Rolle des schwarzen Zaubertranks wurde jeder einzelne Espresso bildlich dokumentiert und den einzelnen Etappen zugeordnet.

 

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